WARLOCK
Alle sieben Jahre einmal treffen sich Zauberer aller Länder im Grauen Wald, um den besten unter ihnen in der sagenumwobenen Duellarena zu bestimmen. WARLOCK - ein verlockender Titel für jeden Magier, der etwas auf sich hält.
Doch viele Gefahren sind mit diesem Machtkampf verbunden. Und so ist es verständlich, daß die Arena nicht immer von gleich sechs Anwärtern besetzt ist. Die Zahl der Anwesenden schwankt zwischen zwei und sechs. Außerdem unterliegt das Duell festen Riten und strengen Regeln. Aber schauen wir uns zunächst eines an: Thulsa, ein Magier von beachtlichem Ruf, war aus den nördlichen Regionen des Landes angereist, um sich den Titel des WARLOCK zu verdienen. Nun stand er hier auf einer Lichtung mitten im riesigen Grauen Wald und wartete. Gelangweilt blätterte er in seinem Zauberbuch und hoffte darauf, bald seine Gegner kennenzulernen. Er betrachtete die gleichmäßige Anordnung der Duellsteine in der Arena, als neben einem der Steine plötzlich ein gleißendes Licht erschien. Das Licht bekam langsam menschliche Umrisse, und Thulsa erkannte seinen ersten Widersacher. In der Tat eine unangenehme Überraschung: Er hatte schon im letzten Jahr gegen Mephisto kämpfen müssen und war nur seinetwegen ohne den Titel in die Heimat zurückgekehrt. Thulsa beschloß, sich zu verstecken, denn Mephisto war für seine gemeinen Tricks bekannt. Zwar gehörten beide zur selben - schwarzen - Zunft, aber Thulsa empfand dennoch oder gerade deshalb keine Hochachtung für seinen Gegner.
Im Gebüsch hinter seinem Versteck krachten jetzt laut die Zweige. Verwundert sah er sich um und erkannt die drei Angehörigen der weißen Zunft. Sie erschienen gemeinsam zum Duell: Quorm, Morcus und Anvar. »Diese Trottel«, dachte Thulsa, »halten sie diese Auseinandersetzung doch immer noch für fair und gerecht. Aber was kann ich von einem weißen Magier anderes erwarten!?«
Die drei Männer gingen zügig auf den Duellplatz zu. Sie hatten Mephisto schon erkannt, der grinsend an einen Fels gelehnt dastand. Da schoß völlig unerwartet ein Blitz vom Himmel herab und traf Morcus, der keine Zeit hatte, noch eines seiner magischen Schilde zu errichten, für die er so berühmt war. Mephisto hatte das Duell mit einem Überraschungsangriff auf sein unvorbereitetes Opfer eröffnet. Doch Morcus war zum Glück noch frisch und ausgeruht und überstand den Angriff ohne größeren Schaden. Dann begann die nächste Runde. Morcus entschied sich für Mephisto als Gegner, schon um diesem seinen feigen Hinterhalt heimzuzahlen. Quorm und Anvar stritten sich untereinander, denn der strenge Duellkodex verlangte, daß es nur einen WARLOCK geben dürfe. Thulsa beobachtete aus seinem sicheren Versteck, wie aus dem Nichts ein Schwarm von Raben erschien und sich auf Anvar stürzte. Mephisto war plötzlich verschwunden, Morcus wurde von Dunkelheit umschlossen, und Quorm konnte nur sehr knapp einer Kanonenkugel ausweichen, indem er sich Flügel wachsen ließ und vom Boden abhob. Als er wieder gelandet war, hatte Anvar den Duellplatz verlassen; die Raben hatten ihm sehr zu schaffen gemacht. Mephisto erschien erneut. Er hatte sich mittels der Unsichtbarkeit vor Morcus gerettet, der ihn zu Stein verwandeln wollte.
Thulsa, der mittlerweile angestrengt in seinem Zauberbuch gelesen hatte, beschloß nun, sich am weiteren Geschehen zu beteiligen. Die nächste Runde würde er gewinnen, ein weiterer Gegner würde ausscheiden müssen. Doch Thulsa hatte etwas vergessen: Der letzte Teilnehmer war noch nicht in Erscheinung getreten. Stileppo »die Schlange« Vallista, auch ein Angehöriger der schwarzen Zunft, verfolgte schon seit einiger Zeit das Geschehen. Er hatte Zeit. Schon war der erste Magier ausgefallen, und es bestand kein Grund, verfrüht mitzumischen. Vielleicht würde er, Stileppo, diesesmal WARLOCK werden, ohne überhaupt einen Finger zu rühren. Schon sah er, wie Morcus zusammenbrach und verschwand, in den Limbo verbannt durch einen Schwertkämpfer, den Thulsa herbeigezaubert hatte. Auch Quorm schien schon sehr schwach, sein Sirenengesang prallte von Thulsas Schild einfach ab. Als Stileppo die Arena betrat, war dieser sein einziger Gegner.
Gar spannend verlief nun dieser alles entscheidende Zweikampf. In der Ferne verfolgten eifrige Beobachter aus einem benachbarten Dorf das aufregende Spektakel. Fasziniert erzählten sie daheim an gemütlicher Feuerstelle wie immer, wie sich alles zugetragen hatte. Da lag es nahe, daß einer von ihnen meinte: »Laßt uns aus diesem Ereignis doch ein Spiel machen, um allen Völkern rund um den Grauen Wald die Geschehnisse mitzuteilen, die Riten zu überliefern und ein genaues Abbild des Kampfes zu liefern.«
»WARLOCK soll es heißen«, rief ein anderer schließlich.